Neunundzwanzig Wege zum selben Buch
Zehn Portale mit eigenem Login. Sieben Verlage mit eigenem Formular. Zwölf Häuser, bei denen nur eine Mail hilft. Zusammen neunundzwanzig Wege zu demselben Ziel, nämlich an ein Rezensionsexemplar zu kommen. Ich habe sie am 2. September überprüft und gezählt.
Alle wollen dasselbe von dir: Postadresse, Links zu deinen Kanälen, Followerzahlen je Plattform, Genres, Impressum, gewünschtes Format. Eins will zusätzlich ein Media-Kit im Anhang.
Und keins verweist auf ein Profil, das du woanders schon gepflegt hast. Als gemeinsamen Kanal nennen sie NetGalley, sonst nichts, und der kennt nur digitale Exemplare.
Die Schwellen, zum ersten Mal nebeneinander
Jedes Haus schreibt seine Bedingungen auf seine eigene Seite, in eigenen Worten. Wer wissen will, wo sich eine Anfrage überhaupt lohnt, liest neunundzwanzig Seiten. Ich habe sie geprüft. Hier mal die Übersicht, sortiert nach der Instagram-Schwelle, Stand 2. September 2026:
- KYSS, Formular: rund 2.500 auf Instagram, TikTok ohne Angabe, zwei Monate Frist
- Piper, Mail: 2.000 und 5.000, zwei Monate
- Ullstein / Forever, Formular: 2.000 und 5.000, zwei Monate
- Carlsen (Young Adult), Mail: 2.000 und 5.000, zwei Monate
- S. Fischer, Formular: 1.500 und 1.500, zwölf Wochen
- Thienemann-Esslinger, Mail: 1.500 und 3.000, drei Monate
- Aufbau, Formular: 1.000 und 2.500, nicht vor Erscheinen
- Droemer Knaur, Portal: 1.000 und 1.000, vier Wochen
- Münchner Verlagsgruppe, Mail: 1.000 und 1.000, vier Monate
- Penguin Random House (47 gelistete Verlage), Portal: 800 auf Instagram, 25.000 Likes auf TikTok, zwei Monate
- Loewe, Mail: keine Mindestreichweite, vier Wochen
- Suhrkamp, Mail: keine Mindestreichweite, vier bis sechs Wochen
Fast überall kommt dazu: Kanal mindestens ein halbes bis ein ganzes Jahr alt. Impressum. Ein Nachweis, dass unter deinen Beiträgen etwas passiert, bei einem Haus ausbuchstabiert als hundert Likes und Kommentare von zehn verschiedenen Accounts. Kein Weiterverkauf. Kennzeichnung.
Jede einzelne Regel ist vernünftig. Zusammen sind sie eine Bewerbung, die du acht Mal schreibst, mit denselben acht Angaben, in acht verschiedenen Formularen.
Der Beleg fällt hinten runter, und zwar zuverlässig
Nach der Rezension will das Haus den Link. Mal per Mail, mal als Markierung im Beitrag, mal beides. Fragt man Blogger:innen, was sie am häufigsten vergessen, kommt genau dieser Schritt. Kein Wunder: Er kommt Wochen nach dem Versand, in einem anderen Programm, und niemand erinnert daran.
Dem Haus fehlt dann der Nachweis. Dir ist die Arbeit längst aus dem Kopf. Beide haben recht, und der Beleg fehlt trotzdem.
Bei Print gibt es gar keinen gemeinsamen Weg
Digital immerhin einen. Für ein gedrucktes Buch keinen. Jedes Haus fragt deine Postadresse neu ab, und danach liegt sie in jedem Haus. Für immer, soweit du das beurteilen kannst.
Nirgends gibst du sie für eine Aktion frei und ziehst sie danach zurück. Da bin ich beim Recherchieren hängen geblieben, nicht weil es schwierig wäre, sondern weil die Frage, wem die Adresse eigentlich gehört, in keinem einzigen dieser Formulare vorkommt.
Warum ich das alles überprüft habe
Ich baue seit Monaten an der anderen Seite. An dem Werkzeug, mit dem eine Autorin ihre Exemplare, Fristen und Belege an einer Stelle hat statt in vier Tabellen. Von dort sieht man eure Seite ziemlich gut. Aber eben von außen, durchs Fenster.
Also frage ich lieber dich: Was davon nervt wirklich, und was wäre bloß bequemer?
Zwei Minuten Fragebogen. Nach Followerzahlen frage ich nicht. Wenn du magst, reden wir danach zwanzig Minuten, und was ich dabei lerne, steht im nächsten Beitrag hier.
Und falls du schreibst statt bloggst und dieselben acht Angaben von der anderen Seite zusammensuchst: Erzähl mir, wie du arbeitest.
Ich baue das hier beschriebene Werkzeug öffentlich. Warum, steht hier.